Skandal: "Sonstige Hilfen" im RLV? | GestDiabGyn im Fokus des G-BA | GenoGyn-Mitglieder fordern mehr Berufspolitik | Markus Tullius Cicero (3) | Letzte Meldung: "Niedergelassene Ärzte verdienen mehr"
Er sollte wieder einmal ein "Jahrhundertwerk" werden - der "EBM 2000". Gebastelt hatten ihn die Bürokraten ganze vier Jahre lang, aber danach war er trotzdem nicht fertig. Also mußten weitere fünf Jahre her, bis er schließlich im Jahr 2005 als "EBM 2000plus" in Kraft treten konnte. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: "Einfacher, gerechter, transparenter", wie Oberbürokrat Köhler dem verdutzten Publikum versprach. Verdutzt deshalb, weil der EBM statt 373 Seiten jetzt irrwitzige 1.068 Seiten zählte, weil die schlichte GOP 1 jetzt zu einem fünfstelligen Zahlengebilde und dann noch mit dreifacher Altersvariation anschwoll und verdutzt wegen weiterer abstruser, kaum nachvollziehbarer Veränderungen - mehr nachzulesen übrigens im "Schwarzbuch EBM".
Aber es passierte noch etwas anderes: Die davor eigenständigen "Sonstigen Hilfen" (Empfängnisregelung u.a.) verschwanden im neuen EBM im Kapitel "Prävention" und stehen seitdem in allen weiteren EBM's gleichberechtigt neben der Krebsfrüherkennungsuntersuchung und der Mutterschaftsvorsorge. Das alleine ist nicht schlimm, aber im permanten Bürokraten-Verschiebevergnügungspark namens "Honorarverteilungssystematik", der neben nach wie vor etlichen anderen Ungereimtheiten und trotz eines bundeseinheitlichen GKV-Beitragssatzes zum Beispiel ein Gynäkologen-RLV in Nordrhein von zur Zeit 12,92 Euro (in Rheinland-Pfalz 13,42 Euro), dagegen in Hamburg 23,66 Euro bescherte, wird es - um die RLV's zu erhöhen - ab dem 1. Juli eine "Quotierung der freien Leistungen" geben - Bürokraten-Kürzel: "QZV". Diese gefühlte 25. Honorarreform seit dem "EBM 2000" unterlegte die KBV diesmal mit dem monströsen Versprechen "Meilenstein für die Zukunft", bewertet aber bereits jetzt die Ergebnisse als "kommunizierende Röhren", was bedeutet, daß im Endeffekt sich nichts ändert: Geht der eine Wert hoch, geht der andere runter - und umgekehrt. Eine Luftnummer also.
Und jetzt die skandalöse Vision: Wenn das alles immer noch nicht reicht, um numerisch das RLV zu erhöhen und so die Gemüter der Niedergelassenen zu beruhigen, dann ist geplant, die "Sonstigen Hilfen" in die Abteilung RLV zu stecken, und wenn das erst mal geschieht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die anderen Teile der Prävention, also die Krebsfrüherkennungsuntersuchung und die Mutterschaftsvorsorge, ebenfalls im RLV verschwinden. Und das wäre der Worst Case für jede gynäkologische Praxis - quasi eine kalte Enteignung!
Der Funktionärsverband BVF sieht diese Entwicklung "kritisch", ja wirklich: nur "kritisch". Statt mit allergrößter Kraft den Anfängen zu wehren, beweist die Harmlosigkeit des Adverbs nur, wie sehr dieser Verband längst jegliche Bodenhaftung verloren hat. Aber noch etwas Nettes, was vielleicht nicht alle wissen: Um eine neue Zusatzpauschale für Onkologie zu finanzieren, wird die Leistungsbewertung der Grundpauschalen "bereinigt": Ab dem 1. Juli sinkt bei den Gynäkologen die Nr. 08211 um 10 Punkte und die Nr. 08212 um 60 Punkte. Zu diesem weiteren Skandal ist eine Stellungnahme des BVF noch nicht bekannt. Vielleicht sieht er das aber auch nur "kritisch". Dank seiner neuen Rolle beim KVNo-Vorstand, der inzwischen alle Beschlüsse "in enger Abstimmung mit den Berufsverbänden" faßt, muß er ja zurückhaltend agieren - oder so bleiben wie bisher.
GestDiabGyn, das interdisziplinäre Netzwerk für Gestationsdiabetes, an dem inzwischen über 180 gynäkologische Praxen teilnehmen, stößt auf Interesse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Der G-BA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung und bestimmt den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung.
GenoGyn Rheinland ist bekanntlich ein firmenunabhängiges und politisch freies Gemeinschaftsunternehmen von niedergelassenen Frauenärztinnen und Frauenärzten mit dem Ziel, die Wirtschaftlichkeit und die Qualität der Mitglieder-Praxen zu festigen und zu stärken. Über die Vertretung wirtschaftlicher Interessen hinaus fordern inzwischen immer mehr Mitglieder vom Vorstand ein größeres Engagement auch bei der Durchsetzung berufspolitischer Ziele. Vermutlich dürfte so was bei KVen, KBV oder bei Rösler & Co. zwar kein Erdbeben auslösen, aber 548 GenoGyn-Mitglieder-Stimmen - das ist doch immerhin was. Und wenn die Zusammenarbeit mit den Urologen (Uro GmbH Nordrhein), Orthopäden (Orthonet-NRW) und HNO-Ärzten (HNOnetNRW) auch bei der berufspolitischen Zielsetzung vertieft und synchronisiert werden könnte, dann bekäme das Mandat ein durchaus ernstzunehmendes Gewicht.
Der Vorstand der GenoGyn Rheinland hat in einem "Positionspapier 2015" denkbare berufspolitische Ziele zusammengestellt und wird die Liste in den nächsten Tagen an alle Mitglieder schicken. Jedes Mitglied kann dann die Liste ergänzen, Änderungen anregen oder Streichungen vorschlagen. Am Ende der Meinungsbildung wird der Vorstand der GenoGyn mit der Vollmacht der Mitglieder in Verhandlungen mit den anderen Fachgruppen eintreten und - unter anderem über die GenoGyn-Pressestelle - berufspolitisch aktiv werden.
Cicero, römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller, Philosoph und der berühmteste Redner Roms, über Beamte (resp. Bürokraten):
"Diese Leute sind eine Warnung für jeden Staat, der einen festen Beamtenstab unterhält. Am Anfang sind sie unsere Diener, und am Ende bilden sie sich ein, sie seien unsere Herren."
Das war die Überschrift. Nach dem folgenden Artikel des Kölner Stadt-Anzeigers vom 27.5.2010 gehen "interne Berechnungen" des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen von einem drastischen Anstieg der Einkommen der niedergelassenen Ärzte um bis zu 30% aus. Demnach verbuche jeder Praxisinhaber in diesem Jahr im Schnitt einen Reinertrag von 164.000 Euro. Das seien 22.000 Euro bzw. 15% mehr als 2007. Gegenüber 2003 ergäbe sich sogar ein Plus von 30%. Dabei verdienten besonders die Augenärzte und Orthopäden überdurchschnittlich gut ... Das waren nur fünf Sätze einer sinngleichen Suada, die sich über ein Drittel der Seite hinzog. Dazu ein Foto mit der Erklärung: "Ärzte gehen in Köln für bessere Bezahlung auf die Straße" ...
Da stockt der Atem, denkt für Bruchteile von Sekunden an Alzheimer-light und fragt sich - zurück bei Besinnung: Ist so ein Quatsch eigentlich zum Lachen oder zum Weinen? Hat der GKV-Spitzenverband wirklich das nur dahergeschwätzt, oder hat der Schreiberling im Phantasialand etwa einige Runden zuviel im Karussell gedreht? Einen Sinn - wenn überhaupt - bekäme das bloß, wenn dahinter der Versuch steckt, von langer Hand die niedergelassenen gegen die angestellten Ärzte auszuspielen. Wahrscheinlich ist das nicht; wahrscheinlicher ist das alte Lied: Ärzte niedermachen - egal wie.
Denken Sie immer daran:
GenoGyn Rheinland blickt in die Zukunft und ist die
Partnerschaft der Erfolgreichen!